Mit 30:29 (12:13) gewannen die Regionalligahandballer des TSV 2000 Rothenburg ihr Heimspiel gegen HaSpo Bayreuth. Gegen das Spitzenteam aus der Wagnerstadt glänzten die Tauberstädter mit einer hervorragenden Moral und fuhren nicht unverdient zwei nicht eingeplante Punkte ein.
Sonntagnachmittag, 17:35 Uhr, es sind beim Stand von 29:29 noch zehn Sekunden zu spielen, als Patrick Schneider mit einem starken Anspiel Kreisläufer Daniel Laugner in Szene setzt. Dieser wird von einem Bayreuther Abwehrspieler im Wurf umgerissen, worauf Schiedsrichter Yannik Haas auf Siebenmeter-Strafwurf für Rothenburg entscheidet. Srdjan Ilicin, der zuvor schon fünf Mal von der Linie erfolgreich war, schreitet, angefeuert von den Rothenburger Fans, zum finalen Wurf an die Linie. In den Minuten zuvor hatten die Tauberstädter eine Vier-Tore-Führung aus der Hand gegeben und nicht wenige in der Halle befürchteten eine Wiederholung der Ereignisse der Vorwoche, als die Schützlinge von Trainer Valentin Akushka in Günzburg in den Schlussminuten noch die Partie aus der Hand gaben. Ilicin bleibt aber cool und versenkt auch den sechsten Strafwurf in den Maschen des Bayreuther Tores. Bayreuth schafft keinen kontrollierten Angriff mehr, die Schlusssirene beendet das Drama und danach brachen beim Publikum und den Rothenburger Akteuren alle Dämme.
Zuvor hatten sich die Gastgeber allen Widrigkeiten entgegengestemmt, liefen aber nach gutem Beginn ab der 10 Spielminute einem Rückstand hinterher. In dieser Phase griffen auch die beiden Schiedsrichter Yannik Haas und Harald Schweizer mit mehreren, aus Sicht der Hausherren zumindest unglücklichen Entscheidungen ins Spiel ein. Zunächst zeigten sie Nedim Jasarevic nach einem Allerweltsfoul die rote Karte (11. Minute) um dann kurz hintereinander Aziz Altwish und Patrick Schneider wegen vermeintlichem Meckerns mit einer Zweiminutenstrafe zu belegen. Bayreuth nutzte die Überzahlsituationen um von 5:5 auf 11:7 davonzuziehen. Souverän war es aber nicht, was der Tabellenführer spielte, insbesondere als die Hausherren dann wieder mit kompletter Spielerzahl agieren durften konnten sie den Rückstand Tor um Tor verkürzen und so wurden beim Stand von 12:13 die Seiten gewechselt.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit gelangen den Gästen dann zwei schnelle Tore zum 15:12, die Rothenburger hatten sich aber schnell wieder gefangen und konnten durch Tore von Srdan Ilicin, Patrick Schneider und Daniel Laugner zum 15:15 ausgleichen (34. Minute). Nun entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem nicht zu erkennen war, wer der Tabellenführer und wer die Mannschaft im Tabellenmittelfeld ist. Nachdem sich die Gäste beim 17:19 wieder einen kleinen Vorsprung erarbeitet hatten, gelangen den Tauberstädtern durch Niko Stojanov, Dennis Orf, Patrick Schneider und Daniel Laugner vier Tore am Stück zur 21:19-Führung. Die Akushka-Schützlinge spielten sich nun, angefeuert vom frenetischen Rothenburger Publikum in einen wahren Rausch und führten zehn Minuten vor Spielende mit vier Toren (26:22). Trotz der deutlichen Führung zitterten den Gastgebern im Anschluss plötzlich die Hände und Bayreuth kam Tor um Tor näher. In der Schlussminute hatte der Tabellenführer den Ausgleich zum 29:29 geschafft, was dann kam – siehe oben!
Die überragende Willensleistung, mit der die Tauberstädter allen Widrigkeiten zum Trotz den Tabellenführer niedergerungen haben, verdient größten Respekt. Mit kleinem Kader ohne die kranken Gabriel Gluhak und Nikola Becejac sowie die zeitgleich spielenden A-Jugendlichen angetreten und nach gut 10 gespielten Minuten durch die rote Karte gegen Nedim Jasarevic weiter dezimiert, stemmten sie sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Es war wieder einmal eines jener denkwürdigen Spiele in der altehrwürdigen Bleiche-Halle, in der in der Vergangenheit schon einige Favoriten gestürzt wurden.
Mit dem Überraschungscoup gegen den Tabellenführer haben sich die Tauberstädter auf den sechsten Tabellenplatz vorgearbeitet, mit einem Sieg im kommenden Spiel in Waldbüttelbrunn würden sie die Bonuspunkte aus dem Bayreuthspiel veredeln und sich weiter von der gefährdeten Tabellenregion fernhalten.
Rothenburg: Kiss (1.-60.), Amann (bei einem Siebenmeter) (Tor); Schemm (4), Schneider, (5), Schmidt, Schweizer (1), Orf (2), Jasarevic, Stojanov (6), Krauter, Laugner (5), Altwish, Ilicin (7/6)
Bayreuth: Braun, Hennig (Tor); Lorenz (6), Fröhlich (6), Böker (5/5), Ruoff (3), Berthold (4), Rodenkirchen, Meyer-Siebert, Wopperer, Fischer, Goeritz, Schmidt (5)
Spielverlauf: 2:0, 4:2, 5:5, 7:8, 7:11, 12:13 (HZ); 12:15, 15:15, 17:19, 21:19, 26:22, 29:29, 30:29
Siebenmeter:
Rothenburg 6 (Ilicin trifft alle)
Bayreuth 5 (Böker trifft alle)
Zeitstrafen:
Rothenburg 4 (Schneider, Orf, Laugner, Altwish je 1, Disqualifikation Jasarevic)
Bayreuth 4 (Lorenz 2; Fröhlich und Goeritz je 1)
Schiedsrichter: Yannik Haas und Harald Schweizer (Dietmannsried/Haunstetten)
Zuschauer: 330











